Besinnliches zum Wochenende 28./29. März 2020

Warum?

Diese Frage bewegt die Menschen schon immer, vor allem, wenn Schlimmes geschieht, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen. Genau solche herausfordernden Begegnungen stehen im Mittelpunkt des Sonntags Judika, den wir an diesem Wochenende feiern. Benannt ist er nach Psalm 43: „Judica me, Deus; Gott, schaffe mir Recht“ (Ps 43,1)

Hiob wird unverdient ins Unglück gestürzt, Abraham grausam auf die Probe gestellt (1. Mose 22,1-14). Und die Frage, warum Jesus leiden muss, beschäftigt uns nicht nur in der Passionszeit.

Naheliegend ist da auch die Frage: Wo ist Gott in all diesen grauenhaften Situationen? Eine Frage, die auch unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden sehr bewegt. In ihren persönlichen Glaubensbekenntnissen, die sie zum Ende ihrer Konf-Zeit geschrieben haben, schimmert diese Frage immer wieder durch. Und leider manchmal auch mit der Konsequenz: An solch einen Gott kann man doch nicht glauben!

Mich fasziniert immer wieder, dass gerade Menschen, die Schlimmstes erlitten haben, aus tiefster Überzeugung schildern können, dass Gott bei ihnen war in diesen Zeiten. So wie der Beter des Psalm 73,23: „Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.“ Und dann eben auch Hiob, der in allem Grauen sprechen kann: „Aber ich weiss, dass mein Erlöser lebt!“ (Hiob 19,25) Bei beiden Bibelstellen gefällt mir hier die Luther-Übersetzung besonders, da sie das hebräisch gemeinte „Dennoch“ und das „Aber“ hervorhebt.

Dadurch, dass Jesus selbst das Schlimmste erlebt hat, kann Gott uns im Schlimmen nahe sein.

Ich wünsche allen, die Mühe haben, dieses „dennoch“ zu sprechen, dass sie sich besonders von Gott getragen fühlen und sich dennoch an ihn wenden und ihre Sorgen und Mühen vor ihn bringen.

Ihr Steffen Emmelius